GLOSSAR

Schnittschutz bringt seine eigene Fachsprache mit: Prüfnormen mit Nummern, Testverfahren mit Kürzeln, zwei parallele Skalen für die Schutzklasse, dazu Materialbegriffe wie Ringgeflecht oder HPPE. In den niroflex-Fachartikeln tauchen diese Begriffe laufend auf, meist ohne dass dort Platz für die ganze Erklärung ist. Dieses Glossar sammelt sie an einer Stelle, alphabetisch und knapp gehalten. Wo ein ausführlicher Artikel bereitsteht, ist er verlinkt.

Gedacht ist die Übersicht für alle, die Schutzhandschuhe auswählen, beschaffen oder Mitarbeitende darin unterweisen und die Angaben aus Datenblättern, Ausschreibungen und Prüfberichten richtig deuten wollen.

Beschichtung

Die äußere Materialschicht auf dem Grundgestrick, meist aus Polyurethan, Nitril oder Latex. Sie entscheidet über Grip, Verhalten bei Nässe und Beständigkeit gegen Öle und Reinigungsmittel. Auf die Schnittschutzklasse wirkt sie sich kaum aus – in feuchten und hygienesensiblen Bereichen ist sie dagegen oft das ausschlaggebende Kriterium. Welche Rolle sie dort spielt: Handschutz bei feuchten Arbeitsumgebungen.

CE-Kennzeichnung

Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller, dass der Handschuh die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 erfüllt. Ohne diese Kennzeichnung darf die Ausrüstung im europäischen Wirtschaftsraum nicht in den Handel. Schnitt- und Stechschutzhandschuhe fallen unter Kategorie III, die höchste PSA-Stufe. Ihre Konformität überwacht eine benannte Stelle, deren vierstellige Kennnummer direkt hinter dem CE-Zeichen steht. Welche Normen hinter den niroflex-Zertifikaten stecken, zeigt Zertifizierte Sicherheit – kurz erklärt.

Coup-Test

Das ältere der beiden Schnittprüfverfahren der EN 388. Eine kreisende Rundklinge fährt unter fester Auflagekraft über die Probe, gezählt werden die Umdrehungen bis zum Durchtrennen, abgeglichen mit einem Referenzstoff. Daraus entsteht die Schnittschutzstufe 1 bis 5. Der Haken: Bei sehr schnittfesten Materialien stumpft die Klinge während des Tests ab und drückt das Ergebnis nach unten. Für solche Fälle gilt der TDM-Test nach EN ISO 13997 als genauer.

Edelstahl-Ringgeflecht

Tausende einzeln verschweißte Edelstahlringe, zu einem beweglichen Panzer verbunden – das Material der klassischen Kettenhandschuhe. Es hält Schnitten und gezielten Stichen stand wie kein textiler Schnittschutz, ist dafür schwerer und lässt weniger Tastgefühl zu. niroflex fertigt solche Handschuhe seit 1968. Kurzerklärung des Materials: Ringgeflecht erklärt in 30 Sekunden.

EN 388

Die europäische Grundnorm für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken, in Deutschland als DIN EN 388 zitiert. Sie bündelt mehrere Einzeltests – Abrieb, Schnitt (Coup-Test), Weiterreißen, Durchstich, dazu bei Bedarf die Schnittfestigkeit nach EN ISO 13997 und die Stoßdämpfung. Auf dem Handschuh stehen die Ergebnisse als feste Ziffern- und Buchstabenfolge unter dem Piktogramm; die Bedeutung der einzelnen Stellen erklärt Was bedeutet Schnittschutzklasse 5?.

EN 511

Die Norm für Kälteschutz. Sie prüft drei Dinge getrennt: Schutz gegen konvektive Kälte, Schutz gegen Kontaktkälte und Wasserdurchlässigkeit. In stark gekühlten Verarbeitungsbereichen ist sie neben dem Schnittschutz die zweite Norm, auf die es ankommt. Entsprechende Modelle führt niroflex im Bereich Kälteschutz.

EN ISO 13997

Das internationale Verfahren für die Schnittfestigkeit, meist TDM-Test genannt. Eine gerade Klinge zieht einmal unter steigender Last über die Probe; gemessen wird die Kraft in Newton bis zum Durchtrennen. Diese Kraft ordnet das Material den Schnittschutzklassen A bis F zu. Warum bei F Schluss ist und was der Newton-Wert zusätzlich verrät, steht in EN ISO 13997 erklärt.

Gefährdungsbeurteilung

Die systematische Bewertung aller Gefährdungen an einem Arbeitsplatz und die Grundlage für jede Schutzmaßnahme. Für die Handschuhwahl heißt das: Tätigkeit, Werkzeuge und Umgebung geben vor, welche Schnittschutzklasse und welche Zusatzeigenschaften nötig sind – nicht ein pauschal angesetzter Höchstwert.

HPPE

Kurz für hochmolekulares Polyethylen, eine Hochleistungsfaser. Sie kommt als textile Alternative oder Ergänzung zum Ringgeflecht zum Einsatz und erreicht hohe Schnittschutzklassen bei geringem Gewicht und gutem Tastgefühl. Gegen gezielte Stiche schützt sie weniger zuverlässig als Edelstahl.

Kettenhandschuh

Ein Handschuh aus Edelstahl-Ringgeflecht, in der Fleisch- und Fischverarbeitung an der freien, nicht messerführenden Hand getragen. Seine Stärke liegt bei kraftbetonten Zerlege- und Entbeinarbeiten, wo Schnitte und Stiche dicht beieinanderliegen. Wann er die richtige Wahl ist und wann ein textiler Handschuh genügt, wägt Kettenhandschuh oder Schnittschutzhandschuh? ab.

Lebensmittelkonformität

Der Nachweis, dass ein Handschuh unbedenklich direkt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen darf. Rechtsgrundlage sind die EG-Verordnung 1935/2004 und die Verordnung (EU) 10/2011 für Lebensmittelkontakt-Materialien. Der Hersteller erklärt die Konformität selbst; mit der Schnittschutzklasse hat sie nichts zu tun.

Nasszone

Arbeitsbereiche mit dauerhaft nassen Flächen – Filetier- und Zerlegebänder etwa, oder die Gerätereinigung. Hier verändert sich das Tastgefühl spürbar, und Grip und Materialaufbau des Handschuhs zählen mehr als sonst. Was in der Nasszone funktioniert, fasst Handschutz bei feuchten Arbeitsumgebungen zusammen.

Newton-Wert

Die Kraft, die im TDM-Test nach EN ISO 13997 nötig ist, um das Material zu durchtrennen. Je höher sie ausfällt, desto höher die Schnittschutzklasse – A steht für die niedrigste, F für die höchste geprüfte Stufe. Der Wert sagt etwas über das Material aus, nicht über die Sicherheit eines ganzen Arbeitsgangs. Einordnung der Zahlen: EN ISO 13997 erklärt.

PSA

Persönliche Schutzausrüstung – alles, was eine Person am Körper oder in der Hand trägt, um sich vor Sicherheits- oder Gesundheitsrisiken zu schützen. Handschuhe gegen Schnitt- und Stichverletzungen gehören zur Kategorie III (Kategorie 3), also zu den Risiken mit schweren oder bleibenden Folgen. Das niroflex-Sortiment für die Lebensmittelindustrie zeigt die Portfolio-Übersicht.

Schnittschutzklasse

Die Einstufung, wie schnittfest ein Handschuhmaterial ist. Der Coup-Test der EN 388 liefert die Stufen 1 bis 5, der TDM-Test nach EN ISO 13997 die Klassen A bis F. Heute ist die Buchstabenskala der belastbarere Maßstab, gerade im oberen Bereich. Ins Detail geht Was bedeutet Schnittschutzklasse 5?.

Stechschutz

Schutz davor, dass spitze Gegenstände durchdringen – Messerspitzen, Knochensplitter, wie sie beim Entbeinen und Zerlegen vorkommen. Das ist nicht dasselbe wie Schnittschutz: Ein Material kann hervorragend gegen Schnitte gewappnet sein und einem gezielten Stich trotzdem kaum etwas entgegensetzen. Am besten hält hier nach wie vor das Edelstahl-Ringgeflecht. Produkte: Stechschutz.

Tastsensibilität

Wie gut sich mit angezogenem Handschuh noch feine Bewegungen ausführen und Werkzeuge sicher führen lassen. Ein steifer oder dicker Handschuh nimmt Tastgefühl weg und kann so neue Risiken schaffen, etwa beim genauen Filetieren. Die Auswahl ist immer ein Abwägen zwischen Schutzniveau und Fingerspitzengefühl, bezogen auf die konkrete Aufgabe.

TDM-Test

Die geläufige Kurzform für das Schnittfestigkeitsverfahren nach EN ISO 13997 (siehe dort). Weil die gerade Klinge nur einmal schneidet, stumpft sie nicht ab – anders als im Coup-Test, der bei sehr schnittfesten Materialien danebenliegen kann. Ergebnis ist der Newton-Wert, aus dem sich die Klassen A bis F ableiten.

 


Häufige Fragen zu Schnittschutz-Fachbegriffen

Wie lese ich die Zahlen und Buchstaben im EN-388-Piktogramm?

Unter dem Piktogramm auf dem Handschuh steht eine feste Folge von Prüfwerten. Für den Schnittschutz zählen zwei davon: eine Ziffer von 1 bis 5 aus dem Coup-Test und ein Buchstabe von A bis F aus dem TDM-Test nach EN ISO 13997. Ein X bedeutet, dass diese Prüfung nicht durchgeführt wurde. Bei sehr schnittfesten Materialien ist der Buchstabe der verlässlichere Wert, weil die Klinge im Coup-Test abstumpft und die Ziffer dann zu niedrig ausfällt.

Welche Fachbegriffe brauche ich für eine Ausschreibung von Schutzhandschuhen?

Mindestens die Prüfnormen EN 388 und EN ISO 13997, die gewünschte Schnittschutzklasse und, bei Lebensmittelkontakt, die Lebensmittelkonformität. Je nach Einsatz kommen EN 511 für Kälteschutz oder Vorgaben zum Stechschutz dazu. Alle Begriffe stehen oben einzeln erklärt.

Worauf muss ich bei Handschuhen mit Lebensmittelkontakt zusätzlich achten?

Zusätzlich zum Schnittschutz nach EN 388 und EN ISO 13997 muss die Lebensmittelkonformität nach EG 1935/2004 vorliegen. Sie ist von der Schnittschutzklasse unabhängig und wird vom Hersteller gesondert erklärt.


 

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