Wer Schutzhandschuhe für Arbeitsbereiche mit Schnittgefahr auswählt, stößt häufig auf die Bezeichnung „Schnittschutzklasse 5“. Auf den ersten Blick scheint die Aussage klar: Klasse 5 steht für einen hohen Schnittwiderstand. Doch für die Auswahl eines geeigneten Handschuhs reicht diese Angabe allein nicht aus.
Der Grund liegt in den unterschiedlichen Prüfverfahren. Die Schnittschutzklasse 5 stammt aus dem Coup-Test der EN 388. Bei modernen Schnittschutzmaterialien spielt daneben die Prüfung nach EN ISO 13997 eine wichtige Rolle. Hier wird gemessen, welche Kraft in Newton erforderlich ist, um ein Material zu durchtrennen. Die Ergebnisse werden den Leistungsstufen A bis F zugeordnet.
Für die Praxis stellen sich damit mehrere Fragen: Was sagt Schnittschutzklasse 5 tatsächlich aus? Wie unterscheiden sich die beiden Prüfverfahren? Was bedeuten 30 Newton und mehr? Und welche Schutzleistung passt zur jeweiligen Tätigkeit?
Was sagt Schnittschutzklasse 5 aus?
Die Bezeichnung Schnittschutzklasse 5 stammt aus dem Coup-Test der EN 388. Dabei bewegt sich eine rotierende Rundklinge wiederholt über das Handschuhmaterial. Gemessen wird, wie viele Schneidzyklen nötig sind, bis die Klinge das Material durchtrennt.
Innerhalb dieses Prüfverfahrens war die Leistungsstufe 5 die höchste Einstufung.
Bei bestimmten modernen Hochleistungsfasern stößt der Coup-Test allerdings an Grenzen. Das Material kann die Prüfklinge während des Tests abstumpfen. In diesem Fall lässt sich der tatsächliche Schnittwiderstand mit dem Verfahren nicht zuverlässig genug beurteilen.
Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die vollständige Kennzeichnung nach EN 388. Sie gibt Aufschluss darüber, nach welchen Verfahren der Handschuh geprüft wurde und welche Leistungswerte erreicht wurden. Gerade bei modernen Schnittschutzmaterialien ist dabei die Prüfung nach EN ISO 13997 von Bedeutung.
EN ISO 13997: Was bedeuten die Schnittschutzlevel A bis F?
Die Prüfung nach EN ISO 13997 wird häufig auch als TDM-Test bezeichnet. Anders als beim Coup-Test kommt hier eine gerade Klinge zum Einsatz. Sie wird über das Prüfmaterial geführt, wobei die Kraft ermittelt wird, die erforderlich ist, um das Material bei einer definierten Schnittlänge von 20 Millimetern zu durchtrennen.
Das Ergebnis wird in Newton angegeben und einer Leistungsstufe von A bis F zugeordnet:
| Leistungsstufe | Erforderliche Schnittkraft |
|---|---|
| A | mindestens 2 N |
| B | mindestens 5 N |
| C | mindestens 10 N |
| D | mindestens 15 N |
| E | mindestens 22 N |
| F | mindestens 30 N |
Je mehr Kraft notwendig ist, um das Material unter den festgelegten Prüfbedingungen zu durchtrennen, desto höher ist der ermittelte Schnittwiderstand.
Die Leistungsstufe F beginnt bei 30 Newton und ist die höchste Klasse innerhalb dieser Einstufung. Eine weitere Leistungsstufe oberhalb von F sieht die Norm nicht vor.
Was passiert also, wenn bei der Prüfung ein Wert von mehr als 30 N erreicht wird?
Auch dann bleibt die normgerechte Kennzeichnung F. Der tatsächlich gemessene Newton-Wert kann dennoch eine zusätzliche Information liefern. Er zeigt, welchen Schnittwiderstand das Material im Prüfverfahren erreicht hat, und kann bei der fachlichen Einordnung von Materialien innerhalb der höchsten Leistungsstufe berücksichtigt werden.
Ein höherer Newton-Wert macht einen Handschuh allerdings nicht automatisch zur besseren Wahl. Ein sehr hoher Schnittwiderstand hilft wenig, wenn der Handschuh für die vorgesehene Tätigkeit zu steif ist, das Griffgefühl beeinträchtigt oder nicht zur Arbeitsumgebung passt.
Schnittschutzklasse 5 oder Schnittschutzlevel F – wo liegt der Unterschied?
Die beiden Angaben werden häufig miteinander verglichen. Gleichsetzen lassen sie sich jedoch nicht.
Beim Coup-Test bewegt sich eine rotierende Rundklinge mehrfach über das Material. Bewertet wird, wie viele Schneidzyklen erforderlich sind, bis das Material durchtrennt ist. Die Einteilung reicht von Leistungsstufe 1 bis 5.
Die Prüfung nach EN ISO 13997 folgt einem anderen Prinzip. Hier wird mit einer geraden Klinge gearbeitet und die notwendige Schnittkraft in Newton ermittelt. Daraus ergibt sich die Einstufung von A bis F.
Eine direkte Umrechnung zwischen beiden Systemen ist nicht möglich. Schnittschutzklasse 5 entspricht daher nicht automatisch Schnittschutzlevel F.
Gerade bei modernen Schnittschutzmaterialien ist es sinnvoll, nicht nur auf einen einzelnen Wert zu schauen. Die vollständige EN-388-Kennzeichnung zeigt, welche Prüfverfahren angewendet wurden und wie das Material unter den jeweiligen Prüfbedingungen abgeschnitten hat.
Wann sind Handschuhe mit hoher Schnittschutzleistung sinnvoll?
Ein hoher Schnittwiderstand ist überall dort gefragt, wo Beschäftigte regelmäßig mit scharfen Kanten, Werkzeugen oder Werkstücken umgehen.
Das betrifft zum Beispiel Arbeitsbereiche in der Metall- und Glasverarbeitung, Montage- und Wartungstätigkeiten sowie bestimmte Aufgaben in der Lebensmittelindustrie.
Trotzdem lässt sich aus der Branche allein nicht ableiten, welcher Handschuh geeignet ist. Wer scharfkantige Bleche bewegt, arbeitet unter anderen Bedingungen als jemand, der Glas verarbeitet oder regelmäßig ein handgeführtes Messer benutzt.
Hinzu kommen die Anforderungen des Arbeitsalltags. Wie viel Fingerfertigkeit ist notwendig? Muss der Handschuh auch bei Feuchtigkeit einen sicheren Griff bieten? Bestehen besondere hygienische Anforderungen? Und wie lange wird er täglich getragen?
Bei Arbeiten mit Messern kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Schnittschutz und Stichschutz sind nicht dasselbe.
Je nach Gefährdung können spezielle Schutzhandschuhe aus Metallringgeflecht erforderlich sein. Textile Schnittschutzhandschuhe und Ringgeflechthandschuhe erfüllen unterschiedliche Schutzaufgaben. Sie allein anhand eines Schnittschutzwertes miteinander zu vergleichen, würde deshalb zu kurz greifen.
Welche Schnittschutzklasse für Handschuhe brauche ich?
Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Der geeignete Handschutz richtet sich nach der tatsächlichen Gefährdung und den Bedingungen am Arbeitsplatz.
Zunächst sollte geklärt werden, wodurch die Schnittgefahr entsteht. Geht es um scharfkantige Bleche, Glas, Bauteile oder andere Materialien? Wie häufig besteht Kontakt mit der Gefahrenquelle? Und welche Folgen hätte eine mögliche Verletzung?
Ebenso wichtig ist die Tätigkeit selbst. Bei präzisen Arbeiten müssen Fingerfertigkeit, Tastgefühl und ein sicherer Griff erhalten bleiben. Werden Handschuhe über viele Stunden getragen, gewinnen Passform, Gewicht und Tragekomfort zusätzlich an Bedeutung.
Bei der Auswahl sollten deshalb mehrere Punkte zusammenspielen:
- Art und Schärfe der Werkzeuge oder Materialien,
- Häufigkeit und Dauer der Schnittgefährdung,
- mögliche Schwere einer Verletzung,
- erforderliche Fingerfertigkeit und Griffsicherheit,
- Tragedauer und Arbeitsumgebung,
- zusätzliche Anforderungen wie Hygiene, Kälte- oder Nässeschutz.
Ein hoher Prüfwert kann ein wichtiges Auswahlkriterium sein. Er ersetzt aber nicht die Bewertung des konkreten Arbeitsplatzes.
Welche Schnittschutzklasse für Handschuhe erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und dem gesamten Anforderungsprofil. Ziel ist nicht der höchstmögliche Leistungswert, sondern ein Handschuh, der zuverlässig schützt und sich für die vorgesehene Tätigkeit eignet.
Worauf sollte man bei der Auswahl von Schnittschutzhandschuhen achten?
Schnittschutz ist ein zentraler Punkt, aber eben nicht der einzige.
Ein Handschuh muss sicher sitzen und genügend Bewegungsfreiheit bieten. Gerade bei präzisen Arbeiten entscheidet ein gutes Griff- und Tastgefühl darüber, ob Tätigkeiten sicher ausgeführt werden können.
Auch die Tragedauer darf nicht unterschätzt werden. Gewicht, Passform und Tragekomfort spielen vor allem dann eine Rolle, wenn Beschäftigte ihre Handschuhe über mehrere Stunden tragen.
Hinzu kommen Material und Konstruktion. Textile Hochleistungsfasern, Beschichtungen und Metallringgeflechte besitzen unterschiedliche Eigenschaften und sind für unterschiedliche Schutzaufgaben vorgesehen.
Schließlich muss der Handschuh unter den tatsächlichen Bedingungen am Arbeitsplatz funktionieren. Feuchtigkeit, Öle, Fette, Lebensmittelkontakt oder niedrige Temperaturen können zusätzliche Anforderungen stellen.
Die Auswahl allein vom höchsten Schnittschutzwert abhängig zu machen, greift deshalb zu kurz. Erst das Zusammenspiel aus Schutzleistung, Tätigkeit und Arbeitsumgebung ergibt eine sinnvolle Lösung.
Häufige Fragen zur Schnittschutzklasse 5
Was bedeutet Schnittschutzklasse 5?
Schnittschutzklasse 5 bezeichnet die höchste Leistungsstufe des Schnittwiderstands innerhalb des Coup-Tests nach EN 388. Bei modernen Schnittschutzmaterialien sollte zusätzlich die Bewertung nach EN ISO 13997 betrachtet werden.
Welche Schnittschutzlevel gibt es nach EN ISO 13997?
Die Klassifizierung reicht von A bis F. Die Leistungsstufen beginnen bei einer erforderlichen Schnittkraft von 2, 5, 10, 15, 22 und 30 Newton. F ist die höchste Leistungsstufe.
Was bedeutet ein Schnittschutzwert über 30 Newton?
Ab 30 N wird ein Handschuh der Leistungsstufe F zugeordnet. Auch wenn im Prüfverfahren ein höherer Wert erreicht wird, bleibt die normgerechte Kennzeichnung F, da keine weitere Leistungsstufe vorgesehen ist.
Der konkrete Messwert kann dennoch zusätzliche Informationen über den unter den Prüfbedingungen ermittelten Schnittwiderstand liefern.
Was ist der Unterschied zwischen Schnittschutzklasse 5 und Schnittschutzlevel F?
Die beiden Angaben stammen aus unterschiedlichen Prüfverfahren. Schnittschutzklasse 5 basiert auf dem Coup-Test, während Schnittschutzlevel F nach EN ISO 13997 anhand der erforderlichen Schnittkraft ermittelt wird.
Eine direkte Umrechnung oder Gleichsetzung ist nicht möglich.
Was ist der Unterschied zwischen Schnittschutz und Stichschutz?
Schnittschutz beschreibt den Widerstand eines Materials gegen schneidende Belastungen. Stichschutz betrifft dagegen das Eindringen spitzer Gegenstände oder Werkzeuge.
Ein hoher Schnittschutzwert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Handschuh auch einen hohen Schutz gegen Stichverletzungen bietet.
Schnittschutz richtig bewerten: Prüfwerte und Praxis zusammenbringen
Schnittschutzklasse 5 steht für die höchste Leistungsstufe innerhalb des Coup-Tests. Die Prüfung nach EN ISO 13997 ergänzt diese Bewertung und ordnet den ermittelten Schnittwiderstand anhand der erforderlichen Schnittkraft den Leistungsstufen A bis F zu.
F beginnt bei 30 Newton. Auch höhere Messwerte bleiben dieser Leistungsstufe zugeordnet, können aber zusätzliche Informationen über den im Prüfverfahren ermittelten Schnittwiderstand liefern.
Für den Arbeitsalltag sind diese Werte wichtig. Sie beantworten jedoch nicht allein die Frage, welcher Handschuh der richtige ist.
Ein geeigneter Handschutz muss zur Gefährdung, zur Tätigkeit und zur Arbeitsumgebung passen. Ebenso wichtig sind Beweglichkeit, Griffgefühl, Tragedauer und mögliche zusätzliche Schutzanforderungen.
Am Ende zählt deshalb nicht nur, welchen Wert ein Handschuh im Prüfverfahren erreicht. Entscheidend ist, ob seine Eigenschaften zu den tatsächlichen Bedingungen am Arbeitsplatz passen und er dort zuverlässig eingesetzt werden kann.
Weiterführende Informationen zu professionellen Schutzlösungen und unterschiedlichen Einsatzbereichen finden Sie in unserem Überblick zum Handschutz.

