Ringgeflecht oder HPPE-Gestrick: Diese Frage stellt sich bei Schutzhandschuhen für Schneidarbeiten immer wieder. Der Beitrag erklärt, wie beide Materialien aufgebaut sind, wie sie schützen und wo jedes seine Stärken hat. Eine Kurzfassung zum Metall steht auch im Beitrag Ringgeflecht erklärt in 30 Sekunden.
Was ist Edelstahl-Ringgeflecht?
Edelstahl-Ringgeflecht besteht aus vielen einzelnen Edelstahlringen, die miteinander verbunden sind und ein bewegliches Geflecht bilden. Bei niroflex sind die Ringe verschweißt. Der erste Sicherheitshandschuh aus geschweißtem Edelstahl-Ringgeflecht entstand 1968. Gegründet hat das Unternehmen Friedrich Münch 1920 in Mühlacker, damals für Ringgeflechte und Schuppengeflechte für Taschen, Börsen und Accessoires.
Wie fein ein solches Geflecht sein kann, zeigt der niroflex fix. Seine Ringe messen 4,0 × 0,50 mm. In der neuen Ausführung besteht er aus magnetischem Edelstahldraht. Laut niroflex liegen Zug- und Durchstichfestigkeit damit deutlich höher als bei der bisherigen Ausführung. Außerdem hält das Material Reinigungs- und Desinfektionsmitteln besser stand, und der magnetische Draht ist leichter zu detektieren.
Für Handschuhe aus Metallringgeflecht gibt es mit EN 1082-1 eine eigene Norm. Sie behandelt den Schutz gegen Schnitte und Stiche durch Handmesser. Bei schnitthemmenden Strickhandschuhen aus HPPE-Fasern gelten die Normen EN 388 und EN ISO 13997.
Was ist HPPE?
HPPE steht für High-Performance Polyethylene, auf Deutsch Hochleistungspolyethylen. Das ist eine Kunststofffaser mit sehr hoher Zugfestigkeit bei geringem Gewicht, die gegen Chemikalien unempfindlich ist. Ähnliche Fasern heißen HMPE oder UHMWPE, Dyneema und Spectra sind Handelsnamen. Textile Schnittschutzhandschuhe werden aus solchen Fasern gestrickt, meist als Feinstrick.
Wie schützen Ringgeflecht und HPPE-Fasern gegen Schnitte und Stiche?
Beim Schnittschutz zählen die Prüfungen nach EN 388 und EN ISO 13997. Der BlueCut advance cc kommt im Test nach EN ISO 13997 auf 35,4 N, der BlueCut sensitive auf 36,7 N und der BlueCut comfort auf 43 N. Alle drei erreichen damit Schnittschutzklasse F, die bei 30 N beginnt. Was die Buchstaben und Ziffern genau bedeuten, erklärt der Beitrag Was bedeutet EN 388 bei Handschuhen?
Ein Handschuh aus Edelstahl-Ringgeflecht nach EN 1082-1 schützt zuverlässiger vor Stich- und Schnittverletzungen als ein Gestrick aus HPPE-Fasern. Aus diesem Grund wird er an der produktführenden Hand getragen. Der Schnittschutzhandschuh, wie der BlueCut advance cc aus HPPE-Gestrick, kann zusätzlich zum Schutz der messerführenden Hand getragen werden.
Wie hoch das Restrisiko am einzelnen Arbeitsplatz ist, zeigt die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs.
Wie unterscheiden sich Gewicht und Tastgefühl?
Ringgeflecht ist schwerer als Schnittschutzhandschuhe aus HPPE-Gestrick und lässt weniger Tastgefühl zu. Das merkt man bei langen Schichten und bei feinen Schneidarbeiten. Schnittschutzhandschuhe aus Hochleistungsfasern sind zwar leichter und beweglicher, bieten aber keinen Schutz gegen Stiche und schwere Schnittverletzungen. Besonders viel Tastsensibilität hat der BlueCut sensitive mit 18 Gauge. Welche Arbeit welchen Handschuh braucht, beschreibt der Leitfaden Kettenhandschuh oder Schnittschutzhandschuh? Ein Leitfaden für den Betriebsalltag.
Wie ist es mit Reinigung und Hygiene?
Edelstahl-Ringgeflecht lässt sich reinigen und desinfizieren. Es ist offen und damit nicht wasserdicht, in Nassbereichen wird es deshalb oft mit Unterziehern kombiniert. Der textile BlueCut advance cc ist bei 85 °C in der Maschine waschbar. Wie sich Handschuhe richtig trocknen, lagern und auf Verschleiß prüfen lassen, steht im Beitrag Langlebigkeit & Hygiene: So bleiben Schutzhandschuhe in der Nasszone länger einsatzbereit.
Häufige Fragen zu Ringgeflecht und Gestricken aus HPPE-Fasern
Ist Ringgeflecht besser als HPPE?
Das hängt von der Aufgabe ab. Ringgeflecht hat Vorteile bei Stichgefahr und kraftbetonten Arbeiten, HPPE-Textil bei Gewicht, Tastgefühl und feinen Schneidarbeiten.
Schützt HPPE auch gegen Stiche, verursacht durch Handmesser?
Nein. Hinzu kommt, dass die Durchstichprüfung der EN 388 mit einem stumpfen Dorn arbeitet. Bei Stichgefahr, etwa beim Entbeinen, ist deshalb Ringgeflecht vorgesehen.
Warum ist Ringgeflecht schwerer?
Es besteht aus Edelstahlringen, und Metall wiegt mehr als HPPE-Fasern. Dafür hat das Geflecht bei Stichen und kraftbetonten Arbeiten seine Stärke.
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